Geschichtsmissbrauch

Immer wieder finden sich Verbindungen zwischen Wikinger-Symbolik und Nazis. Es begann mit dem Missbrauch der Germanen-Forschung und Wikinger-Kultur durch die Ideologen des 3. Reiches und hält leider bis heute an.

Hier ganz kurz und knapp ein paar Fakten (, auch wenn Fakten ja leider nie interessieren), warum die ständige Verwendung der Wikinger-Thematik in Bezug auf Nazi-Ideologie eigentlich so dumm ist:

Wikinger waren keine Rassisten. Es gibt genug historische und archäologische Beweise, dass bei ihnen zählte, was ein Mensch konnte - und nicht, wie er aussah. (z.B. die prunkvolle Oseberg-Bestattung für eine höchstwahrscheinlich dunkel aussehende "ausländische" Frau; genetische Nachweise in der isländischen Bevölkerung, dass deren Vorfahren den Kinder aus den Verbindungen von Norwegern mit fremden Frauen das Recht zu leben gaben, auch wenn ihre Mütter wohlmöglich Sklavinnin waren. O.k., das kann auch heißen, dass das Aussehen doch wichtig war, falls es auf die Bevorzugung von exotischen Schönheiten hinweist. Da kriegt ein "ethnopluralistischer Germane" von heute ja Pickel!)

In die Sklaverei verkauft werden konnte jeder, der sich nicht wehren konnte. Menschenrechte gab es in diesem Sinne nicht, aber Gesetze, nach denen sich Sklaven freikaufen konnten oder die das Verletzen selbst eines Sklaven, immerhin galt er bis zu einem möglichen Freikauf als Eigentum, mit einer Strafe belegten. Wikinger hatten keine kruden Herrenmenschentheorien.

Kampf gegen die "fremde Neureligion": Klöster zu überfallen und Kirchen auszurauben war "wirtschaftlich sinnvoll". Durch alte Handelsberichte wussten die Wikinger um die prachtvollen Schätze, die von unbewaffneten Mönchen beispielsweise in Lindisfarne verwahrt wurden. Solche Raubzüge waren keine heidnischen Heldentaten, wie es leider oft auf T-Shirts zu lesen ist. Schließlich ließ sich ihre Elite, vielleicht auch nur aus Macht-, Wirtschafts- und Bündnisgründen heraus, auf diesen neuen Glauben ein, der lange parallel in ihren Regionen toleriert wurde.

Die Erfolge der Wikinger als kriegerische Seefahrer gründen sich auf weltoffener Neugier. Wenn es nicht Ziel war, zur Gewinn- und Machtmaximierung alles niederzumetzeln, dann konnten sie langanhaltende Bündnisse mit Fremden eigehen. Sie dienten in der Leibgarde des byzantinischen Kaisers und siedelten sich in der Normandie an, wo sie friedlich die Kultur dieser besonderen Region mitbegründeten und darin aufgingen. Sie prägten die Länder, die sie besuchten, nicht nur durch Raub, wie die Spachforschung aufweist. Sie nahmen Neues begierig in ihre Kultur auf, wie archäologische Funde belegen. Die Angst vor Überfremdung und Kulturverlust, die gerade umgeht, fordert Dichtmachen, Ausgrenzen und Mumifizieren von alten Traditionen. Mut zu Neuem und Zutrauen für Herausforderungen sollte uns der Blick auf die Geschichte geben, in der es bis heute kein starres Jetzt, sondern beständige Entwicklung gibt. Angst ist Götterferne!

Um deutlich zu machen, dass viele Wikinger Nazis doof finden, auch wenn viele Nazis Wikinger toll finden, ließen wir diesen Aufkleber entwerfen:

Ein Gesicht, von dem unter einem Wikingerhelm nur die Augen zu sehen sind, davor einen Hand, die den Zutritt verwehrt.

(Der Begriff "Nazis" schließt hier Rechtextremisten, "besorgte Bürger", Identitäre, Angstgermanen und Artgläubige mit ein. Ach ja, Linksextremisten finden wir auch doof, aber die klauen ja nicht ständig Fotos von Wikingerdarsteller und ihren Kindern für ihre beschissenen Facebook-Hetzseiten, rennen mit Protz-Thorhämmern auf Rassistendemos oder nennen ihre Facebook-Hassprofile, ihre Kinder oder "Weltnetzseiten" nach nordischen Göttern. Ein Fotograf aus der Wikinger-Szene fand viele seiner Fotos auf Webseiten für die "Rettung der Blonden Kinder" und der "germanischen Rasse". Daraufhin stellt er die berechtigte Frage, ob die zu den Seiten gehörigen, ihrem Weltbild entsprechend hoffentlich blonden Menschen nicht fotografieren könnten...)