Jeder vernünftige Mensch weiß, dass das Versenden von Waren Verpackung erfordert, dass zu viel Verpackung das Müllproblem verschärft und dass Recycling ein guter Weg ist. Jetzt aber wurde in Brüssel dazu eine Verpackungsverordnung (PPWR) formuliert, die an der Realität kleinerer Unternehmen komplett vorbeigeht! Die Umsetzung verlangt für das Versenden innerhalb der EU jetzt viel Geld. Viele Firmen werden mit der Umsetzung dieser Verordnung finanziell überfordert sein. Die Folgen: Sie werden ihre Waren nicht mehr für alle Länder Europas anbieten können. Dadurch bricht gerade Anbietern von Kunst- und Traditionshandwerk sowie kleineren Versendern von speziellen Sortimenten der Absatzmarkt weg = sie gehen pleite. Aber lest selbst:
Die neue europäische Verpackungsverordnung ab 12.08.2026 – sie gilt für alle.
In diesem Link ist nachzulesen, worum es bei dieser Verpackungsverordnung genauer geht.
Zunächst liest sich das erst einmal sehr bürokratisch und das Vorhaben ist zum Großteil sicher auch sinnvoll. Die wahren Auswirkungen jedoch werden in den meisten diesbezüglichen Artikeln im Netz ausgespart, denn es gibt überhaupt keine Ausnahmeregelungen für Kleinbetriebe. Alle Marktteilnehmer/Unternehmen sind nun verpflichtet, in jedem europäischen Land, welches mit verpackten Waren beliefert werden soll (unverpackt geht ja gar nicht), einen Bevollmächtigten zu benennen, welcher sicherstellen soll, dass die jeweiligen Verpackungen dem Gesetz entsprechen und auch dem richtigen Recycling zugeführt werden. Nun ist jedoch kaum ein Kleinunternehmen in der Lage, für alle 27 EU-Mitgliedsländer den jeweiligen Bevollmächtigten herauszufinden, diesen zu beauftragen und vor allem auch zu bezahlen!
Hilfreiche „Lösungsvorschläge“?
Der „Händlerbund“, ein deutscher E-Commerce Branchenverband, in welchem sich viele Menschen aus Kunst, Kunsthandwerk und anderen Kleinunternehmen mit familiär geführten Onlineshops tummeln, hat nun gleich die Lösung parat: Er empfiehlt „Lizenzero.de“, um die Verpackungen zukünftig gebündelt lizenzieren zu lassen und bietet auch gleich 10 % Ersparnis für Mitglieder an. Dort findet sich nun ein Angebot, welches für jedes zu lizenzierende EU-Land pauschal „nur“ € 299,00 jährlich verlangt:

Das macht also 27 EU-Länder x 299 € = 8073 € (mindestens, denn es fallen ja noch zusätzlich mengenbasierte Kosten an). Nun werden wir noch Mitglied beim Händlerbund und sparen satte 10 %, macht somit mal eben 7265,70 € (mindestens). Bei den angebotenen 31 Ländern, falls auch Nicht-EU-Länder wie z. B. Norwegen oder Schweiz beliefert werden sollen, wären das sogar 9269 €, abzüglich der besagten 10 % blieben nur noch 8342 € (ebenfalls mindestens). Zuzüglich natürlich auch der Kosten für den Händlerbund, die sich zwischen € 9,90 und € 119,90 monatlich bewegen.
Größere Betriebe zahlen solche Summen sicher aus der Portokasse, aber was heißt das für uns, für tausende Künstler, Kunsthandwerker und andere Kleinbetriebe, die weder diesen Aufwand tragen können noch in der Lage sind, solche Summen aufzubringen?
Wer profitiert wirklich von der Verpackungsverordnung?
Anstatt zu protestieren, eine Protestbewegung zu initiieren, eine Petition zu starten o. ä. versucht der Händlerbund hier nur, sich massiv zu bereichern, weshalb sich dieser als Interessenvertretung für Kleinbetriebe schon mal diskreditiert hat. Wer diese Masche genauso unfair empfindet wie wir, kann ja mal beim Mitbewerber IT-Recht Kanzlei vorbeischauen.
Die gängigen Abmahnkanzleien laufen sich bereits warm, sie werden an dieser Verpackungsverordnung gut verdienen! Da Regierungen sich größtenteils aus Juristen zusammensetzen, wird kaum eine bereit sein, etwas gegen Ihre Standeskollegen zu unternehmen. So bleibt uns nur, wie vielen anderen, den innereuropäischen Handel bis auf weiteres einzustellen – vor allem, da bei Verstößen gegen das Verpackungsgesetz bereits mit Strafzahlungen von bis zu 200.000 € bis zum kompletten Vertriebsverbot gedroht wird (bevor es überhaupt in Kraft getreten ist)!
Wer hat das Nachsehen?
Es tut uns leid für unsere Kundschaft aus anderen europäischen Ländern! Da wir unsere internen und digitalen Abläufe entsprechend ändern müssen, gilt diese Regelung ab sofort. Wir bezweifeln, dass das alles wirklich beabsichtigt ist und unterstellen mal wohlwollend, dass sich die Gesetzgeber einfach nur zu weit von der Realität entfernt haben und die Folgen dieses Gesetzes nicht wirklich abschätzen können.
Übrigens betrifft diese Verordnung auch unsere Zulieferer aus vielen verschiedenen europäischen Ländern. Ob wir von denen zukünftig überhaupt noch beliefert werden oder ob wir jetzt in Europa zigtausende Kilometer selbst mit dem Transporter fahren müssen, um unsere Waren direkt und unverpackt zu transportieren – wir wissen es nicht 🙁
Einfach irgendwie anpassen?
Sich allein auf den Versand innerhalb eines Landes zu reduzieren, wie es Unternehmen beispielsweise aus dem bevölkerungsreichen Deutschland machen können, wird Betrieben und Kundschaft aus kleinen Ländern noch viel mehr schaden.
Das alles zerschlägt auch die Lösungen, die kleine Betriebe nach dem Brexit wieder fanden. Es passiert jetzt, wo die Zeiten wirtschaftlich sowieso „herausfordernd“ sind, weil unter anderem die Versandkosten steigen, die Online-Riesen immer mehr Marktmacht erreichen und wo auf Zollpolitik zwischen EU und den USA kein Verlass ist.
(Unser) Laden als Lösung?
Unseren Laden gibt es NUR WEGEN des Onlineshops! Das Ladengeschäft in Schleswig ist eines unserer Standbeine, aber ein sehr wackeliges und eigentlich nur im Sommer ernstzunehmendes. Insgesamt verträgt zur Zeit kein Betrieb wie unserer eine Reduzierung des Onlinegeschäfts. Im Gegenteil: Wir lasen von vielen Firmen, die sich dermaßen auf Europa als gemeinschaftliche Handelszone verlassen haben, dass sie nicht auch nur einen Monat überleben werden, wenn diese Regelung gilt.
Außerdem sind das ja nur die zukünftigen Kosten, für die wir aufkommen sollen. Hinzu kommen demnächst noch die verschiedenen Dokumentationspflichten wie Konformitätserklärungen, Einhaltung eventueller PFAS-Grenzwerte, Systembeteiligungen und Mengenmeldungen. Das alles in leicht unterschiedlichen Anforderungen der einzelnen europäischen Länder überfordert nicht nur uns bei weitem. Dabei interessiert heute niemanden mehr, dass wir schon immer versucht haben, weitestgehend auf Kunststoffverpackungen zu verzichten, dass wir uns mit Umweltschutz und Nachhaltigkeit befassten, lange bevor sich Gesetze darum bemüht haben. Nun werden wir (und viele andere, die das ebenso angingen) ganz einfach aus dem Markt gedrängt und keinen interessiert ’s?
Und nun?
Erstens: Eine Petition unterzeichnen!
Wenn in der Verpackungsverordnung nicht kurzfristig Ausnahmeregelungen für Kleinbetriebe getroffen werden, könnten tausende kleiner Unternehmer aus allen innereuropäischen Ländern ihre Geschäfte schließen! Um das Europäische Parlament zu bewegen, sich dieses Gesetz noch einmal anzuschauen und ggf. zu verändern, unterschreibt bitte diese Petition bei change.org:

Bildquelle: Screenshot
Zweitens: Der Europäische Kommission eine Rückmeldung geben!
Neben dem Unterzeichnen der Petition ist es auch möglich, direkt eine Rückmeldung an die Europäische Kommission zu schreiben. Bis zum 10.09.2026 ist das über diesen Link möglich.

Bildquelle: Screenshot
Das alles kann ja wohl nicht sein, also unterschreib‘ jetzt, teile und verbreite diese Petition so häufig Du kannst, sonst gehen (nicht nur) hier nämlich die Lichter aus!
Sauerei
Allerdings.
Warum Change,org?
Die Plattform wird von einem Unternehmen betrieben, das seinen Sitz in den USA hat (https://www.
change.org/l/de/p/impressum). Warum soll man ein US Unternehmen nutzen, um Petitionen in der EU oder in D zu erstellen oder zu unterstützen?
Auf der Seite https://www.change.org/policies/privacy findet man die Datenschutzbestimmungen. Gespeichert werden Name, Email, Passwort, Postanschrift, Telefonnummer, Adresse, Profilbild, Petitionen, die man erstellt oder unterstützt hat, Mobilgeräte-ID, Themen, die euch interessieren und die ihr unterstützt, … . Teilweise braucht man die Daten ja auch um wirksam eine Petition zu untertützen. Man muss ja nachweisen, dass es den oder die Unterstützer*in auch gibt. Aber warum werden meine Interessen gespeichert. Damit kann man ein detailliertes Profil meiner politischen Einstellungen erstellen. Wohlgemerkt, bei einem US-Unternehmen.
Von @juergen@mementomori.social auf Mastodon gepostet
Danke für den Hinweis, Hannelore. Diese Petition lief uns sozusagen über den Weg, als wir uns mit dem Thema befassten, und wir unterzeichnen und teilen sie. Wenn Dir das Thema am Herzen liegt, gibt es, neben der auch verlinkten Kommentarmöglichkeit auf der Webseite der Europäischen Kommission, ja durchaus auch andere Möglichkeiten, auf das Problem aufmerksam zu machen.